In Öl gekleidet

In Öl gekleidet

Die meisten Kleidungsstücke verbrauchen heute so viel fossile Brennstoffe wie eine Plastikflasche. Fast drei Viertel aller Textilien werden bald aus Öl und Gas hergestellt. Synthetische Fasern sichern nicht nur den künftigen Erdölbedarf, sondern sind auch eine der Haupttriebkräfte der Fast Fashion, die Überproduktion, Abfall und Umweltverschmutzung verursachen. Angesichts der sich abzeichnenden Textilgesetze stellt sich die Frage: Wird die Abhängigkeit der Modebranche von fossilen Brennstoffen durch Vorschriften endlich eingedämmt oder wird die Branche den Markt weiterhin mit billiger Plastikkleidung überschwemmen?

Baumwolle: Gute Faser, schlechte Faser?

Baumwolle: Gute Faser, schlechte Faser?

Baumwolle hat viele Vorteile: Sie ist ein nachwachsender Rohstoff, biologisch abbaubar, gut zu verarbeiten und angenehm zu tragen. Doch die riesigen Mengen, die für die Textilindustrie produziert werden, und die damit verbundenen Methoden machen die Naturfaser vielerorts zum öko-sozialen Alptraum.

Der Fußabdruck der Mode

Der Fußabdruck der Mode

Die Textilindustrie in Bangladesch umfasst etwa 16.700 Fabriken, erwirtschaftet Exporte im Wert von 23,55 Milliarden Dollar und beschäftigt über 4,22 Millionen Arbeiter:innen. Der weit verbreitete Einsatz gefährlicher Chemikalien in der Nassverarbeitung birgt jedoch erhebliche Umwelt- und Gesundheitsrisiken. Sicherere Alternativen und strengere Vorschriften sind von entscheidender Bedeutung, um die Schäden für Menschen und Ökosysteme zu verringern. Ein nachhaltiger Übergang ist unabdingbar, um ein langfristiges industrielles Wachstum und ökologische Verantwortlichkeit zu gewährleisten.

Ausbeuterische Arbeitsbedingungen für unsere Kleidung: ein Blick auf die Näher:innen

Ausbeuterische Arbeitsbedingungen für unsere Kleidung: ein Blick auf die Näher:innen

Damit wir unsere Kleidung so günstig kaufen können, muss sie auch günstig produziert werden. Deshalb greifen viele Firmen auf Produktionsstätten und Zulieferer aus anderen Ländern wie China, Bangladesch, Vietnam, Türkei und Indien zurück. Die Arbeiter:innen nähen unsere Kleidung unter menschenunwürdigen Bedingungen, mit gesundheitlichen Risiken, geschlechtsspezifischer Gewalt und Ausbeutung. Internationale Unternehmen tragen dabei große Verantwortung, aber die Verbesserung der Arbeitsbedingungen ist eine Herausforderung.

Verlässliche Textilsiegel? Mangelware!

Verlässliche Textilsiegel? Mangelware!

Verbraucher:innen sind auf anspruchsvolle und unabhängige Textil-Siegel angewiesen, um nachhaltigere Kleidung zu erkennen. Ein Marktcheck der Verbraucherzentrale NRW von 2023 zeigte, dass diese in den Top Ten-Online-Mode-Shops kaum zu finden waren. Auch Serviceleistungen zur Reparatur oder Aufarbeitung wurden dort nicht angeboten. Die großen Shops und Plattformen kamen also ihrer Verantwortung zur Umsetzung der EU-Strategie für nachhaltige und kreislauffähige Textilien[1] höchstens ansatzweise nach. Verbraucherverhalten ändert sich im großen Stil jedoch vor allem dann, wenn sich die Verhältnisse so ändern, dass die nachhaltigere Lösung die einfachere Konsumentscheidung wird. 

Vergiftete Geschenke

Vergiftete Geschenke

Globale Modemarken werben mit Recycling und Kreislaufwirtschaft, doch die Realität sieht anders aus. Nirgendwo wird das Scheitern des linearen Geschäftsmodells des Fast-Fashion-Systems so sichtbar wie in den Ländern des Globalen Südens, wo der Großteil unserer kurzlebigen Kleidung aus synthetischen Fasern landet – verbrannt, deponiert oder von Flüssen ins Meer gespült, mit verheerenden Folgen für Mensch und Umwelt.

Ressourcen über Grenzen hinweg fließen lassen

Ressourcen über Grenzen hinweg fließen lassen

Die Welt steht vor einer eskalierenden Textilabfallkrise, die durch Überproduktion und Fast Fashion angeheizt wird und den Globalen Süden unverhältnismäßig stark trifft. Dort haben minderwertige Importe gebrauchter Textilien schwerwiegende Folgen. Erweiterte Herstellerverantwortung (EPR, Extended Producer Responsibility)-Richtlinien zielen darauf ab, Textilabfälle zu reduzieren, bleiben jedoch lückenhaft und können die Muster des textilen Abfallkolonialismus nicht verhindern. Während Europa neue Vorschriften zu Circular Economy und Nachhaltigkeit einführt, beleuchtet dieser Artikel das EPR-Rahmenwerk für Mode und Textilien.

Wir bringen die Schattenseite der Modeindustrie ans Licht

Wir bringen die Schattenseite der Modeindustrie ans Licht

Seit über 30 Jahren setzt sich die Clean Clothes Campaign (CCC) für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der globalen Bekleidungsindustrie ein. In einem komplexen und oft undurchsichtigen System internationaler Lieferketten kämpfen wir für faire Löhne, sichere Arbeitsbedingungen und die Achtung grundlegender Arbeits- und Menschenrechte. Durch Aufklärung der Öffentlichkeit, Druck auf Unternehmen und politischen Aktivismus arbeiten wir daran, strukturelle Verbesserungen in der Branche zu erreichen.

Fashion, die gerecht ist und die planetaren Grenzen einhält

Fashion, die gerecht ist und die planetaren Grenzen einhält

Damit das Klima für uns alle lebenswert bleibt und es auf der Erde eine gerechte Zukunft gibt, benötigt auch das Modesystem eine radikale Wende. Weniger Ressourcen- und Energieverbrauch, langsamere Produktions- und Konsumzyklen und eine faire Verteilung des erwirtschafteten Mehrwerts müssen zu neuen Modetrends werden.

Europas neues Berggeschrei

Europas neues Berggeschrei

Angesichts wachsender geopolitischer Spannungen strebt die EU nach mehr Versorgungssicherheit bei kritischen Rohstoffen. Diese werden unter anderem für die Elektromobilität, Energiewende, Digitalisierung, Militär und Raumfahrt gebraucht. Um die Importabhängigkeit von wenigen, meist außereuropäischen Rohstofflieferländern zu reduzieren, sollen in Europa mehr Metalle abgebaut, veredelt und recycelt werden – auch in Deutschland. Am Beispiel des geplanten Lithiumabbaus im sächsischen Zinnwald zeigt sich die Ambivalenz dieser Vorhaben.